Die Nummer zwei meiner persönlichen Brettspiel Top 10 ist Agricola von Uwe Rosenberg.
In Agricola führt der Spieler (welche Überraschung) einen Bauernhof. Er kümmert sich für den Ausbau der Wohnfläche sowie deren Einrichtung, bewirtschaftet die Felder, züchtet Tiere und pflanzt sich (eher unspektakulär) selber fort. Alles das tut er auf seinem eigenen Bauernhof Spielbrett ;-)
Was dem Ueli im Emmental ganz natürlich von der Hand geht bedeutet für den Spieler in Agricola einen Haufen Stress, denn die Möglichkeiten sind stets beschränkt und der Gegner hat schliesslich ähnliche Pläne.
In der Basis ist Agricola ein "Worker Placement" Spiel. Dies bedeutet die Spieler legen ihre Arbeiter (Familienmitglieder) auf noch unbesetzte Aktionsfelder um von deren Vorteilen zu profitieren.
Im Gegensatz zu z.B. Puerto Rico oder Race for the Galaxy hat ein Spieler während einer Runde alleiniges Vorrecht auf die ausgewählte Aktion. So wandern zum Beispiel Bauressourcen (Holz, Schilf, Stein etc.), Tiere (Schafe, Schweine, Rinder etc.) auf den Hof des Spielers. Auf anderen Aktionsfeldern kann ein Spieler bereits vorhandene Ressourcen einsetzen um z.B. das Haus, Erweiterungen oder Gehege auszubauen, und wieder andere Aktionsfelder bieten sonstige Vorteile wie z.B. die prüde Fortpflanzung oder die Möglichkeit Startspieler zu werden. Weiter gibt es in Agricola eine schier unendliche Menge an Handkarten welche dem Spieler zufällig und in kleiner Menge zur Verfügung stehen um weiter Einfluss auf seinen Hof zu nehmen. Diese Karten können vor dem Spiel übrigens aus der Kategorie Standard, Komplex und Interaktiv gewählt werden und haben dementsprechend Einfluss auf das Spielgeschehen.
Agricola bietet zwei massive Aspekte:
1.) Der Spieler sollte den gesamten Spielplan mit Hausräumlichkeiten, Feldern oder Gehegen belegen, jedes Tier züchten, jedes Gemüse und Getreide pflanzen und die Familie füttern, sonst gibt es Minuspunkte.
2.) Es reicht bei weitem nicht für alles in den 14 Spielrunden, schon gar nicht weil der Spieler Hund rechts immer ausgerechnet das am dringendsten benötigte Aktionsfeld belegt.
Wer in Agricola erfolgreich sein will ist also Runde um Runde darum besorgt das kleinste aller Übel auszusuchen um wenigstens einen Teil der Aufgaben zu bewältigen.
Was macht diese "Tortur" nun für mich so unwiderstehlich? Simpel: Jedes Spiel ist anders als das vorhergehende! Alleine die zufälligen Handkarten haben einen enormen Einfluss auf die eigene Strategie. Die "Flucht" in die Spezialisierung wie zum Beispiel bei Puerto Rico ist Aufgrund der Minuspunkte für fehlende Bereiche nicht zu empfehlen. Runde für Runde versucht man somit seinen Hof zu optimieren und für die nächsten Runden auszurichten, doch alleine zu sehen wie er wächst erfreut mein "Aufbau Spiel Herz".
Agricola ist ein Schwergewicht, und der Spieler sieht sich gerade in den ersten Partien schier unendlich vielen Auswahlmöglichkeiten ausgesetzt, selbst in der abgespeckten Regel Version. Doch das Spiel ist zu jedem Zeitpunkt logisch, sensationell ausbalanciert und findet sich absolut zu Recht (fast) an der Spitze der momentanen Spielercharts wieder.
Zu Agricola gibt es mittlerweilen eine Erweiterung "Moorbauern" mit neuen Spielelementen. Aber ein normaler Spieler ist mit der Grundversion erstmal mehr als bedient.
- Anspruch: Profis
- Spieler: 1 bis 5
- Dauer: 90 Minuten
- Zweispielertauglich: Ja
- Evil Overlord Feeling für Gewinner: Jeremias Gotthelf ist ein Stadtmensch!
- Hersteller & Links: Lookout Games / Board Game Geek
PS: Als Goodie für alle ledige Bauern auf der Suche: Es gibt die 1 Spieler Variante welche sich kaum von den normalen Regeln unterscheidet mit dem Ziel einer neuen Highscore ;-)
It is a good story.
Kommentiert von: air jordan | 12. November 10 um 02:49 Uhr