Jahrzehnte bevor Steven King oder Wolfgan Hohlbein das Licht der Welt erblickten, begründete der Schriftsteller H.P. Lovecraft die moderne Horror Literatur. In dem von ihm erschaffenen Cthulhu - Mythos nahm die Stadt Arkham eine zentrale Rolle ein, und auch heute noch greifen die Nachkommen Lovecrafts dieses Vermächtnis zum Teil in eigenen Büchern auf.
Sowohl die Stadt, wie auch Cthulhu (und unzählige andere Dämonen & Monster) sind der Grundstein von Arkham Horror in welchem sich die Spieler im Amerika der 20er Jahre versuchen ihrer Haut zu erwehren.
Arkham Horror ist kein normales Brettspiel, Arkham Horror ist eine Spielerfahrung, so umfangreich wie auch folgendes Review ;-)
Im Gegensatz zu den bisherigen Top 10 Spielen handelt es sich bei Arkham Horror um ein sogenanntes kooperatives Spiel. Dies bedeutet, die Spieler (1-8) kämpfen Seite an Seite gegen das Böse das über die Stadt hereinbricht, und ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dies ist mehr als nur anspruchsvoll!
Viele vergleichen Arkham Horror mit Pen & Paper Rollenspielen, und dies nicht zu unrecht. Zu Begin des Spieles wählen die Akteure einen Charakter aus mit speziellen Fähigkeiten und Eigenschaften. Ob dies nun ein draufgängerischer Gangster, eine kluge Studentin, ein Geistlicher oder gar ein Obdachloser ist wählt jeder Spieler selbst aus, die Auswahl aber auch Unterschiede sind gross.
Sind die Rollen vergeben jagen die Spieler auf dem riesigen Spielbrett welches die Stadt und darstellt Monstern, Hinweisen und Gegenständen hinterher. Fast in jeder Runde öffnet sich ein neues Dämonentor, und Monster betreten unsere Welt. Dann gilt es die einzelnen Talente der Spielercharakteren gezielt einzusetzen. So erstaunt es nicht dass der Gangster taff und kräftig ist und sich eher zum direkten Kampf mit den Horden eignet als die zierliche Schriffstellerin welche sich doch besser Aufgaben mit erhöhtem Anspruch an die Geisteskraft annehmen sollte. Auch wenn es kaum Verschnaufpausen gibt, so können sich die Spieler an den vielen Lokalitäten der Stadt mit kleinen Aufgaben oder Geld weitere Gegenstände, Hinweise, Waffen oder Begleiter aneignen. Doch auch die Monster bewegen sich, aufgrund eines sehr eleganten Spielmechanismus quer durch die Stadt, und fallen den Spielern auch schon mal in den Rücken.
Das Ziel des Spieles ist das versiegeln der Dämonentore bevor zuviele gleichzeitig geöffnet sind oder das sogenannte Terror Level aufgrund zuvieler Monster zu hoch angestiegen ist. Falls die Spieler scheitern kommt es zum ultimativen Kampf gegen einen der “Grossen Alten” welcher vor dem Spiel ausgewählt wurde. In diesem ungleichen und langen Kampf sinken die Chancen der Spieler auf einen Erfolg ständig, und die Welt ist danach nicht selten ein sehr viel weniger schöner Ort zum Leben.
Der Kern des Spieles ist ein sehr sehr umfangreiches Regelwerk. So muss sich der Spieler gerade während eines Kampfes damit auseinandersetzen gegen welche Art von Monster er kämpft, welche seiner Waffen und/oder magischen Items überhaupt von Nutzen sein können und wie er sich auch sonst auf diesen Kampf einstellt. Danach wird das Ergebnis in einer oder mehreren Runden ausgewürfelt. Wahrscheinlichkeits Analyse tut also von allem Anfang an not, sonst findet man sich sehr schnell in Arkham Asylum (ja, meine Batman Freunde, das gab’s auch schon früher) wieder :-(
Zwar ist das Regelheft 25 Seiten lang, und es gilt unzählige Events, Einflüsse, Triggers, Monster & Spieler im Auge zu behalten, aber dennoch kann man mit einem geübten Spieler als Leiter am Tisch sofort auch in einer grossen Gruppe loslegen, da alle Schritte unter den Spielern abgesprochen werden sollten.
Arkham Horror ist nicht bloss wegen seiner über 700 Komponenten eines der umfangreichsten Spiele in unserer Sammlung. Keine Partie gleicht der anderen, und gerade die Auswahl des “Grossen Alten” hat über das gesammte Spiel hinweg grossen Einfluss auf die Aktionen der Spieler und/oder Monster. Nur eines bleibt sich gleich, der immense Schwierigkeitsgrad (gerade bei mehr als 4 Spielern). Wer also Arkham Horror mit 8 Spielern gegen Cthulhu überlebt, der darf mit fug & recht behaupten etwas geschafft zu haben, bei welchem schon zehntausende beim Versuch gescheitert sind. Und dann, ja dann warten bereits acht Erweiterungen im Handel mit noch mehr Monstern, Ortschaften & Gefahren auf die Helden ;-)
Arkham Horror lebt am Ende nicht unwesentlich davon dass sich die Spieler mit ihren gewählten Charakteren identifizieren und entsprechend agieren. Auch ich bin sicher kein grosser Rollenspieler oder Halloween Freak, aber wer die Krankenschwester nicht ständig mit Dynamit hantieren lässt und das Spiel mit dem richtigen Soundtrack und eventuell etwas weniger Licht als gewöhnlich spielt, der darf sich auf ein grossen Abenteuer freuen!
Das Spiel wäre ganz klar ein Anwärter auf die Top 3 gewesen, doch es gibt zwei Gründe die dagegen sprachen: Erstens ist es nicht das Spiel für zwischendurch und jedermann, und landet somit leider zu selten auf dem Tisch. Zweitens kann Arkham Horror für Spieler aufgrund des Schwierigkeitsgrades frustrierend sein, so wurde z.B. mein Nachbar innert wenigen Runden mehrmals von Monstern überrant und konnte am Gesammtgeschehen kaum teilhaben.
Und trotzdem: Arkham Horror ist und bleibt die Mutter aller kooperativen Brettspiele !!
PS: Ein nicht ganz ernst gemeintes Video Review vom Spiel findet Ihr hier.
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