In der Nacht auf den Sonntag trafen sich spielwütige Seeländer an der Bieler Spielnacht. Ob Brett-, Karten-, Kriegs-, Geschicklichkeits- oder neuerdings scheinbar auch Rhythmus-Spiele, alles lässt sich dort erleben.
Angereist sind wir zu fünft, mit den Newcommern Möne, Rik und Nadja sowie den vor Ort berühmt berüchtigt und v.a. gefürchteten War Gamers Raffi und 3b.
Aufgrund des schönen Wetters, und der (gewollt) mässigen PR fanden wir sogar einen letzten freien Tisch im Main-Room. Etwas schwieriger gestalltete sich im Verlauf des Abends jedoch die Suche nach dem richtigen Spiel für uns fünf.
Phase 1 : “Popcorn gegen Zucker & Tabak”
Unsere Wahl für das erste Spiel des Abends fiel auf Puerto Rico, seines Zeichen für lange Zeit die Nummer Eins der Brettspiele dieser Welt.
Während wir uns so langsam einspielten, unsere Fabriken bauten und Rik Zug um Zug brutalst vom Pech verfolgt wurde, verschiffte einer klangheimlich Berge von Mais in Richtung alter Kontinent.
Als der Rest des Tisches sich der Corn Strategy ausgeliefert sah, war es schon zu spät. Zwar versuchten man das Unheil mit viel Aufwand noch abzuwenden, doch rettete der Popcorn Boy einen einzigen Siegpunkt Differenz über die Ziellinie!
1. Raffi (50), 2. 3b (49), 3. Nadja (47), 4. Möne / Rik (36)
Phase 2: “Don’t you never ever visit Chinatown !”
Es war bereits 23 Uhr als wir uns auf die Suche eines weiteren Spieles machten. Das unterdessen frei gewordene Funkenschlag wäre eine Option gewesen, welche wir jedoch auf Grund der ungewöhnlichen Spiel - Phasen für Anfänger nicht in Betracht zogen. Ebenfalls kam auf Wunsch von Raffi meine persönliche Nr. 1 Railroad Tycoon nicht auf den Tisch, denn wir waren ja schliesslich auf der Suche nach was Leichtem. Der folgenschwere Fehler unterlief schliesslich mir, als ich Chinatown als simples Handelsspiel vorschlug. Das Spiel wurde kürzlich zum 10 jährigen Jubiläum neu aufgelegt, und gehört im deutschsprachigen Raum sogar zu den frühen Titeln der Alea Big Box Serie. Was folgte war leider eine mehr als triste Spielerfahrung.
Während ich nach dem ersten Zug schockiert aufs Spielfeld starrte und realisierte, dass ich ohne die Hilfe meiner GEGENER(!) nicht einmal in der Lage war ein Chinesisches Kleintier Suppen Restaurant auf den Plan zu bringen, wäre ich bereits nach 5 Minuten am liebsten mit den Welschen am Nachbarstisch “We Will Rock You” klatschen gegangen. Es war einfach furchtbar, und selbst der Idle-Mode war mir nicht vergönnt, weil die anderen auch noch meine Grundstücke und Geschäfte wollten :-( Ich glaube meine Frau ist mir immer noch böse weil ich ein Ihr zustehendes Jeans Geschäft über den Tisch gehandelt habe. Aber der Effekt, dass am Ende des Spieles keiner seine Punkte zählte war auch kein gutes Zeichen ... 45 Minuten zum vergessen :-(
Phase 3: “Wir fügen uns den Drogen”
Also, was tun wenn die Frau Gemahlin bereits ernsthaft mit dem Sofa droht? Genau, wir spielen Grass, denn das festigt die Beziehung ... Na, das war dann wieder nach Papas Geschmack! Rik ein Utterly Wiped Out als Gegenleistung für ein Market Open unterzujubeln, dem Nachbarn & Försterbub mit Prügel zu drohen, um dann doch aus versehen die falsche Karte nach links weiterzugeben, ein herrliches Spiel! Genau das Richtige, nach 5 Spiel Stunden.
Rik schaffte kurz nach 3 Uhr Morgens das Kunsttstück in die positive Gewinnbilanz aufzusteigen und erklärte danach leider sein Engangement als Sieger und Spieler für beendet.
Ja, der Bub wollte nach Hause! Ein Skandal, doch irgendwie folgte ihm der Rest stumm hinaus, denn um zu dritt noch was anzufangen war es auch schon etwas spät resp. früh und so richtig putz munter war auch keiner mehr.
Apropos hinaus gehen: Unterwegs bezog der Abwart noch eine Tracht Prügel im Tisch-Magnet-Fussball-Dings, doch dem Grinsen nach schwelgte er immer noch in den Erinnerungen seiner Mais Export Erfolge, welche ihn wohl noch bis in den Schlaf hinein begleiteten ;-)
Fazit:
Wer vor spielerischen Ueberraschungen gefeilt sein möchte, der überlegt sich *vor* der Anreise welche Spiele er spielen will und wird. Falls nötig bringt man Spiele selbst mit, und bereitet sich bezüglich den Regeln zuhause vor. Die Auswahl an Spielen vor Ort ist zwar enorm gross, aber es ist u.U. schwierig ein passendes Spiel für eine gewisse Anzahl Spieler zu finden.
Die Spielnacht als ganzes hingegen war super! Die Ambience war erneut sehr angenehm, und wir werden im Oktober (?) auf jeden Fall wieder kommen ;-)